Montag, 1. Mai 2017

Blindflug ins Neue

Gerade hatte ich mal wieder das Bedürfnis, mich hinzusetzen und alles aufzuschreiben, was mir aktuell so durch den Kopf geht, was mich beschäftigt, was ich wahrnehme, was im Feld unterwegs ist. Das mag jetzt alles ein bisschen wirr sein, aber irgendwie ist es auch wirr und es scheint so viel gleichzeitig da zu sein.

In mir hat es die letzten Tage ordentlich geblubbert und gebrodelt. Ich fühle mich im Umbruch. Da geht gerade etwas Uraltes zu Ende und gleichzeitig entsteht etwas ganz Neues. Es fühlt sich an wie ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht. Es ist aber keine aggressive Energie. Eher schöpferisch... Das Lava, das so lange im Untergrund gebrodelt hat, das schon uralt ist, will sich seinen Weg brechen, nach außen dringen und dadurch etwas Neues formen.


Auch ist mir irgendwie danach mich nackt, wie ich mich gerade fühle, zu zeigen. Und dieses Nacktsein ist gerade so herrlich, so leicht, so einfach. Es gibt nichts mehr, was ich verbergen wollen würde, nichts mehr, bei dem ich denke, ohje, hoffentlich merkt das nur keiner, hoffentlich spricht mich nur keiner drauf an. Ich sitze hier im Bademantel, die Haare stehen auf dreiviertel acht. Ich habe zwei  Tage nicht geduscht. Mit den Haaren an meinen Beinen kann ich langsam Zöpfe flechten. ;) Mein Konto ist immer noch überzogen. Ich wollte schon die ganze Zeit mehr Werbung für mein Buch machen und hab es immer noch nicht getan. All das ist wie es ist und es ist für mich völlig ok. Es geht mir gut damit. Ich kann damit sein, einfach sein. Und am liebsten würde ich allen zurufen: "Zeigt euch! Macht euch nackt! Seid verletzlich, denn stärker als euch mutig schwach zu zeigen, könnt ihr nicht sein! Ihr seid wunderbar mit allem, was gerade an euch dran ist."

Weiterhin habe ich mich in den letzten Tagen vorwiegend mit einem Konflikt in einer Facebookgruppe beschäftigt, war plötzlich mittendrin, konnte gar nicht anders. Es war wie ein Sog und es hat mich so tief bewegt und manchmal auch getroffen. Mein Verstand hat mir gesagt, dass ich ja wohl echt Besseres tun könnte und trotzdem wusste ich, dass das total wichtig für mich ist. Ich bekam Einblicke in ein früheres Leben, sah mich auf dem Scheiterhaufen, wusste, dass ich verraten wurde von einem Menschen, der auch heute in meinem Leben ist, der Teil von genau diesem Konflikt war. Ich habe mit diesem Menschen bis dato nicht wirklich viel zu tun gehabt. Er ist gerade auch eher für mich nicht erreichbar. Zumindest zwischenmenschlich. Auf geistiger Ebene spüre ich ihn so deutlich, spüre seinen Schmerz auf eine Art wie ich nur Seelengeschwister spüren kann. Mein tiefstes Inneres sagt mir, dass er mein Bruder ist, dass wir uns in diesem Leben wieder finden werden uns wieder annähern werden, die alten Wunden heilen sollen. Ich liebe ihn zutiefst und gleichzeitig hätte ich ihn an die Wand klatschen können, befinde mich noch in einem Heilungsprozess. Mein Verstand hat mir wieder und wieder den Vogel gezeigt, weil das alles so absurd ist, so unwirklich. Das ist ein Mensch, den ich nur flüchtig kenne, der vielleicht noch nicht einmal weiß, dass es mich gibt. Und doch weiß ich, dass das alles so wahr ist.

Dann nehme ich noch ein generelles Thema wahr. Mir kommt es vor, als würden die Männer gerade merken, dass die Frauen wieder ihren Platz einnehmen und dass das Patriarchat kippt. Das scheint viele im Moment total zu triggern und sie versuchen mit allen Mitteln, die Frauen nochmal zu unterdrücken. Ich höre aktuell immer wieder von intensiven Machtspielchen zwischen Mann und Frau. Diese Erkenntnis hat auch mir nochmal richtig gut getan, mir nochmal gezeigt, wo wir gerade stehen in der Menschheitsgeschichte und irgendwie passt das auch zu dem Facebookkonflikt. Es ist das letzte Aufbäumen der Männerherrschaft, weil ein so lange gelebtes Weltbild zu Ende geht. Die Männer, die damit noch nicht umgehen können, können irgendwann damit umgehen oder sie gehen, auf welche Art auch immer. So meine Wahrnehmung.

Da tut sich gerade wirklich viel um mich und in mir. Auch eine Aufbruchstimmung nehme ich wahr. Es geht darum, mich nochmal wieder mehr ins Leben fallen zu lassen, loszulassen, noch weicher zu werden, mich noch mehr dem Leben und meiner Seele zu übergeben. Das fühlt sich megamäßig gut an. Noch mehr hingeben, noch mehr vertrauen, noch mehr aufgefangen werden.

Und dann passiert gerade noch etwas Faszinierendes. Immer mehr Mitglieder meiner Seelenfamilie finden sich plötzlich. Schießen wie Pilze aus dem Boden. Immer häufiger sind da Begegnungen mit mir eigentlich wildfremden Menschen, die mich direkt mitten ins Herz treffen und ich weiß und fühle, dass wir uns schon ewig kennen. Es ist wie ein großes Sammeln all derer, die nun ihre gemeinsame Aufgabe angehen.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass ich mich im totalen Blindflug befinde. Da entsteht gerade etwas, dass ich mir nicht im Entferntesten vorstellen kann, etwas noch nie Dagewesenes. Ich glaube, alles, was bisher "richtig" und wirksam war, wie z. B. Werbung oder andere "businessmäßige" Dinge, die uns eher der Verstand vorgegeben hat, funktionieren nicht mehr. Ihre Zeit ist abgelaufen. Was jetzt kommt, kann uns nur das Herz sagen. Nur mein Herz kennt den immer nächsten Schritt. Ich habe gerade keine Ahnung wo es hingehen könnte, nur dass es großartig sein wird, das weiß ich. Ich glaube, da werden noch einige völlig absurde Dinge und Umstände auf mich zukommen und ich kann mich gerade voller Vertrauen auf dieses Nichtwissen einlassen, auf das Leben selbst. Ich lasse mich führen, komplett, ohne den Weg zu kennen, der zu einem Ziel führt, das ich nur erahnen kann und das fühlt sich gerade als das einzig Richtige an. Mit meinem Verstand kann ich nichts mehr von all dem, was ich tue oder eben nicht tue, erklären. Irgendwie finde ich das ganz cool und ziemlich befreiend.

Also auf in den Blindflug zur nächsthöheren Version meiner selbst. Auf in ein neues Level, auf eine neue Ebene, in eine neue Ära. Ich freu mich total auf alles, was da kommen mag. ♥

Herzensgrüße von mir
Anja

Wo das Leben mich wohl hintreibt?
Foto: Anja Reiche

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