Freitag, 18. August 2017

Ich erlaube mir, meiner höchsten Freude zu folgen

Was für ein Morgen! Seit kurz vor fünf liege ich wach im Bett und in mir rattert es. In der letzten Augustwoche steht ein Aufenthalt in meiner alten Heimat an. Eine liebe Freundin heiratet. Was im Hintergrund immer mitschwingt: Fahre ich zu meinen Eltern?

Normalerweise schlafen wir immer mindestens ein, zwei Nächte bei meinen Eltern. Bis auf einmal, da waren wir wirklich nur kurz zu Besuch und sind nicht über Nacht geblieben. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem irgendwie. Nun sind wir eine ganze Woche in Bayern und wie einige von euch mitbekommen haben, arbeitet das Mutter-Thema wieder ziemlich in mir die letzten Tage. Generell ist meine Familie immer wieder Thema und ich löse und löse mich immer mehr aus alten Verstrickungen. Mal kann ich ihnen begegnen, mal nicht. Gerade nicht so richtig...

Die Vorstellung in wenigen Tagen in dieses Haus zu gehen, ist keine schöne. So viele Konflikte schwelen und es fühlt sich für mich immer so an, wie wenn ich meine Energie extrem nach unten schrauben muss, damit ich da überhaupt sein kann, damit ich mich irgendwie an ihr Schwingungsniveau anpasse. (Es handelt sich um ein 4-Generationen-Haus - meine Oma, meine Eltern, mein Bruder mit Frau und Kindern - und jeder liegt mit jedem irgendwie im Clinch und zwar so richtig heftig.)

Die Frage, ob wir nun zu meinen Eltern fahren oder nicht, wenn wir schon in Bayern sind, hat sich mir die letzten Tage immer öfter gestellt, so auch heute morgen im Bett. Zu allem Überfluss hat meine kleine Nichte, die ja ebenfalls mit im Haus wohnt, auch noch in der Woche Geburtstag. Noch ein Grund mehr da unbedingt hin zu "müssen". Ich will sie ja schließlich nicht enttäuschen, denn sie liebt mich und meinen Partner abgöttisch und ich liebe die beiden Kleinen auch total. Dennoch fühlt sich alles schwer an und gruselig.

Und vorhin überrannte mich dann DIE Erkenntnis, die mir ganz viel Druck und Last nimmt. Eigentlich ist es eher eine Erlaubnis als eine Erkenntnis. In fast jedem Bereich meines Lebens folge ich nur noch der Freude. Gerade was den beruflichen Weg angeht ist das mein absolutes Mantra und total selbstverständlich für mich geworden. Auch was meine Freunde und die Familie meines Partners angeht folge ich nur noch meiner Freude, nehme Einladungen und Termine nur noch an, wenn ich wirklich Lust dazu habe und wenn nicht, dann bleibe ich fern, ohne Ausreden zu erfinden, sondern sage einfach: "Das war nicht dran! Ich hatte keine Lust." Fertig!

Nur bei meiner eigenen Familie habe ich mir das irgendwie die ganze Zeit nicht erlaubt. Da war noch diese feste Überzeugung "Das gehört sich doch!". Wenn wir schon 500 km nach Bayern fahren, dann müssen wir doch wenigstens mal kurz Hallo sagen. Da war noch immer ein schlechtes Gewissen und Verantwortung für die Gefühle der anderen. Gerade meinen Papa will ich auf keinen Fall enttäuschen. Und dann war da dieser Satz in meinem Kopf, vorhin, im Bett: Ich erlaube mir auch da meiner höchsten Freude zu folgen!!! Boom! Was für ein Satz in diesem Zusammenhang. Und plötzlich sind die Antworten ganz klar. Es ist nämlich so gar nicht meine höchste Freude dahin zu fahren, zu Menschen, die mir jedes Mal aufs Neue sagen, dass meine Haare zu kurz sind, dass ich zu dünn bin und wieder nicht verstehen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, die alles verurteilen, was nicht ihren eigenen Maßstäben entspricht, bei denen mein eigenes Wesen so überhaupt keinen Platz hat, bei denen es überhaupt kein Verständnis für meine jetzige Lebensweise gibt, zu Menschen, die nur von mir wollen und nie fragen, was ich eigentlich will, Menschen die nur um sich selbst kreisen.

Mit diesem Satz, mit dieser Erlaubnis ist so vieles von mir abgefallen. So viel Druck, so viel Schwere, so viel Verantwortung, die nicht die meine ist. Plötzlich zwinge ich mich zu nichts mehr, bin voll in meiner eigenen Verantwortung. Ich tue auch hier nur noch das, was meiner höchsten Freude entspricht. Plötzlich ist die Sache ganz einfach. Plötzlich gibt es kein hin und her mehr zwischen all meinen Gedanken und zwischen müssen, sollte, könnte. Die Sachlage ist auf einmal glasklar. Es ist nicht meine höchste Freude dahin zu fahren. Geburtstag hin oder her, auch der fühlt sich schwer an. Und damit ist die Entscheidung gefallen. Damit brauche ich keine Ausreden und andere Begründungen. Damit gibt es kein falsches Pflichtbewusstsein, denn ich bin nur meiner eigenen höchsten Freude verpflichtet. Fertig!

Dieser Satz darf noch tiefer dringen und steht mir jetzt bei einer jeden Entscheidung zur Seite, egal um was es geht. Bin ich in meiner höchsten Freude, wenn ich dies oder jenes tue, diesen oder jenen treffe, dieses oder welches kaufe oder nicht kaufe? Und dann ist die Antwort leicht. So herrlich leicht!

Danke Leben für diesen Satz!!!!!

Foto: Anja Reiche


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